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Was ist Katholische Soziallehre? PDF Drucken E-Mail

Die Katholische Soziallehre geht vom Grundgedanken eines Ordo Socialis, einer vernünftigen Ordnung gesellschaftlichen Zusammenlebens aus und leitet sich aus der Auseinandersetzung der Kirche mit den sozialen Problemen und Nöten der Menschen her. Die Katholische Soziallehre kann als Stellungnahme der Kirche zum menschlichen Zusammenleben und zu gesellschaftlichen Strukturen gesehen werden. Das Fundament der Katholischen Soziallehre ist die Heilige Schrift. Neben diesen biblischen Wurzeln kommt der christlichen Nächstenliebe und den Erkenntnissen der Sozialethik eine wesentliche Rolle zu. Die Katholische Soziallehre vermittelt universale Leitlinien für Problemlösungen, indem sie auf fundamentale Grundeinsichten in Wert, Würde und Wesen der menschlichen Person und Gesellschaft aufbaut. Damit richtet sie sich grundsätzlich an alle Menschen.

Die Prinzipien der Katholischen Soziallehre sind traditionell
a) Personenwürde: Nach dem obersten Grundsatz der Katholischen Soziallehre muss der Mensch der Träger, Schöpfer und das Ziel aller gesellschaftlichen Einrichtungen sein.
b) Solidarität: Durch das Gebot der christlichen Liebe steht die Katholische Soziallehre in einem unvereinbaren Gegensatz zu allen Theorien, die das gesellschaftliche Leben auf dem Gegeneinander der Menschen aufzubauen versuchen.
c) Subsidiarität: Diese gemeinsame Verantwortung schließt nicht aus, sondern fordert sogar, dass zunächst jedem einzelnen und jeder Gruppe vorrangig die Pflicht und das Recht zukommen, ihre eigenen Angelegenheiten selbständig zu regeln.
Da die Prinzipien nicht nur aus dem Glauben, sondern auch aus der Vernunft heraus erkannt werden können, richtet sich die Katholische Soziallehre an alle Menschen. Die ganze menschliche Gesellschaft soll durch den Geist des Evangeliums Christi geprägt werden und ihr somit ein menschlicheres Antlitz geben.

Das Zusammenwachsen von Kirche und Gesellschaft und die immer dringlicher werdende Soziale Frage bedingte die Entwicklung einer eigenständigen Soziallehre Ende des 19. Jahrhunderts und unterstreicht die soziale Verantwortung der Kirche. Angesichts der Auswirkungen der industriellen Revolution und der brisanten sozialen Lage in vielen europäischen Städten verfasste Papst Leo XIII. 1891 die als „Mutter aller Sozialenzykliken“ bezeichnete Enzyklika „Rerum novarum“. Die nachfolgenden lehramtlichen Texte zur Katholischen Soziallehre äußern sich zu einem breiten Spektrum an sozialen Themen: Demokratie (Rundfunkbotschaft von Papst Pius XII. 1944), Frieden (Enzyklika „Pacem in terris“ von Papst Johannes XXIII. 1963), Menschenrechte (Konzilsdokument „Gaudium et spes“ 1965), Entwicklung (Enzyklika „Populorum progressio“ von Papst Paul VI. 1967) u.a.

Als Äußerungen des päpstlichen und bischöflichen Lehramtes ist die Katholische Soziallehre für Katholikinnen und Katholiken verbindlich. Das heißt, dass beispielsweise katholische PolitikerInnen, katholische UnternehmerInnen, katholische caritative Einrichtungen etc. verpflichtet sind, sich an den grundlegenden Prinzipien der Katholischen Soziallehre zu orientieren.
 

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